1991

LF Bloch fesselte seine Hörer - "Rußland-Benefiz-Konzert" im Aalto-Musiktheater

Ein großer Könner entführte am 10.03.1991 die Hörer seines Klavierkonzerts im ausverkauften Aalto-Theater in höhere Sphären: Boris Bloch, Folkwang-Professor mit internationaler, glänzender Karriere, gab zu Gunsten seiner russischen Landsleute ein Benefiz-Konzert. Der Lions Club Werethina und die Stadt hatten wenige Monate nach der deutschen Wiedervereinigung die Ausrichtung des Konzerts übernommen, Kartenerlös und Spenden (30.000 DM) wurden der Aktion "Helft Rußland" von "Care Deutschland e.V." für ein Altenpflegeheim in der Hafenstadt Archangelsk am Weißen Meer zur Verfügung gestellt. In dem Dankesbrief schrieben eine russische Ärztin und eine Deutschlehrerin: Die Krise in der Übergangsperiode der Perestroika hat einen besonders großen Einfluss auf den Wohlstand der minderbemittelten und einsamen alten Menschen und Invaliden"…"Wir hoffen sehr, daß die Perestroika uns die Möglichkeit gibt, die Schwierigkeiten zu überwinden und unser Land der europäischen Gemeinschaft ein bisschen näher zu bringen".

Boris Bloch gelang es vom ersten Ton an, seine Hörer zu fesseln. Nur russische Komponisten standen auf dem Programm, und es war ein Erlebnis, sich von ihm in die klanggeschmeidige Welt der Töne eines Rachmaninows einführen zu lassen. Bloch versenkt sich, verliert sich vom ersten Moment an in diese gewaltigen Tongemälde. Er malt mit lockerer Hand jenes perlende Laufwerk, jenes Auf- und Abschwellen von zarten Pianos bis zu den düsteren Höhepunkten. Er lebt in dieser Welt der slawischen Salonmusik, bringt deren Eleganz und Leichtigkeit, deren Schwerblütigkeit ebenso wie ihre tropfenreichen Kaskaden zarter Pianos und fein ziselierter Figurenwerke. Delikat malt er aus, scheint über den Tasten zu schweben, ist durchpulst von tiefem musikalischen Empfinden einer fernen, schönen, romantischen Welt. Nie, selbst bei den kraftraubenden, schwierigsten Stellen ist Anstrengung und Härte zu verspüren.

Geglückt auch die Interpretation einer der "Kriegs"-Sonaten, Nr. 7, op. 83, aus dem Jahr 1942 von Prokofiew: Ein wechselvolles, unruhiges Werk, das Bloch durch auskostendes, beseeltes Nachzeichnen bis ins Detail ausbreitete, wobei es ihm gelang, die brutalsten Partien der Ecksätze wie das farbenreiche, übersensible Andante des Mittelteils zu einem einheitlichen Werk verschmelzen zu lassen. Bloch steht über den Dingen. Rasende fortissimo-Schläge kommen scheinbar spielerisch, und doch ist diese Interpretation von höchster Bewegung durchdrungen.

Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" ein Ausflug mit Bloch in atmosphärische Tonmalerei. Er zieht alle Register auf dem Seelenklavier, vereint technische Virtuosität mit musikalischer Sensibilität. Ein Fest der Sinne!.
 
vom 12.03.1991

Nach dem Konzert konnte P Wolf Dieter Sondermann die begeisterten Lionsfreunde und Gäste im Foyer des Aalto-Musiktheaters zu einer Soiree einladen.